Erfahrung schon seit 1987
Die
Schmerzklinik ist nach § 40 SGB V von allen gesetzlichen Krankenkassen als Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig.

BANDSCHEIBENOPERATIONEN
(Schmerz / Schmerzen nach Operationen an der Bandscheiben)

Die Band- oder Zwischenwirbelscheibe bezeichnet der Mediziner als Discus intervertebralis (Scheibe zwischen Wirbelkörper). Bandscheiben bestehen aus einem weichen Kern (Nucleus pulposus) und einem umgebenden Faserknorpelring (Anulus fibrosus) und sind auf der Ober- und Unterseite von einer dünnen, fest verwachsenen Hyalinknorpelschicht bedeckt. Sie dienen als Bindeglied zwischen den einzelnen Wirbelkörpern der Hals- Brus t- und Lendenwi rbelsäule. Die Ban dscheibe überträgt und verteilt den axialen Druck der über die Wirbelkörper auf sie gerichtet ist, übermittelt Bewegung auf die benachbarten Wirbelkörper und dient als „Stoßdämpfer“ zwischen den Wirbelkörpern

Der Wassergehalt des Gallertkernes der Ban dscheibe nimmt im Laufe der Zeit ab und damit die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Der Faserring verliert allmählich seine Haltefunktion. Bei fortschreitenden degenerative Veränderungen im Faserknorpelring (Anulus fibrosus) kommt es einer Vorwölbung (Bandscheibenprotrusionen) oder gar zum Einreißen desselben. Das führt dazu, dass der gallertartige Kern (Nucleus) der Bandschei be nach außen drängt und dann auf Nerven drücken kann (Nervenkompressionssyndrome) und/oder auch den Spinalkanal einengen kann (Spinalkanalstenose).

Ein Bandscheibenvorfall erfolgt meist dorsolateral (= seitlich und nach hinten) und kann schon bei geringem Ausmaß das Bewegungssegment blockieren. In der dorsolateralen Region kann aber auch die Nervenwurzel direkt tangiert bzw. eingeklemmt werden und ausstrahlende Krankheitszeichen bewirken.
90% aller Bandscheibenvorfälle finden in den Etagen L4/L5 und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei 1988). Diese bevorzugte Lokalisation führt dazu, daß häufig die Diagnose "Lumboischialgie" gestellt wird, da die oberen Anteile des Pl
exus ischiad icus (= Nerven geflecht aus dem der Ischias nerv entstammt) bzw. Pl exus sacral is (= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbein s) den Ner venwurzeln L4 und L5 entstammen.

Bandscheibenoperationen werden notwendig, wenn hervorgetretene Bandscheibenanteile Nerven komprimieren (= einengen, einquetschen) und es dadurch zu Muskellähmungen, Harn- oder Stuhlinkontinenz (= Das Unvermögen, Urin oder Stuhlgang zurückzuhalten) kommt.

Die entsprechenden Fachkreise sind sich aber mittlerweile weitgehend einig, daß als Indikation (= Anzeige) für Bandscheiben operationen Schmerzen alleine nicht ausreichen.

Die Operationsmethoden

Bei der Nukleotomie (Diskotomie, Diskektomie) werden die vorgefallenen Bandscheibenanteile entfernt. Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

Bei der Laminektomie wird der Wirbelbogen mit dem Dornfortsatz eines oder mehrerer Wirbel entfernt. Da es durch diese Operation zu Instabilitätserscheinungen im Bereich der Wirbelsäule kommen kann, wird häufiger eine sog. Hemilaminektomie durchgeführt. Dabei wird lediglich eine Hälfte des Wirbelbogens entfernt.

Mittlerweile wird sogar generell ein gesundheitlicher Vorteil durch Bandscheibenoperationen bezweifelt:
Berlin, 25.10.2007. Wirbelsäulen-Operationen sind auch bei Fachleuten umstritten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse der weltweiten Literatur, die Orthopäden aus Düsseldorf beim diesjährigen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin vorstellten. "Kurzfristig können Operationen bei Bandscheibenvorfällen an der Lendenwirbelsäule helfen, mittel- und langfristig sind die Ergebnisse von operierten und nicht-operierten Patienten gleich", sagte Prof. Dr. med. Peter Wehling vom Zentrum für Molekulare Orthopädie am Donnerstag in Berlin nach Auswertung von circa 1.200 Publikationen. Zu diesem Schluss kommt zum Beispiel die weltweit größte klinische Studie bei 1244 Bandscheibenpatienten. "Die verschiedenen Studien machen deutlich, dass es beim Bandscheibenvorfall keine Standardtherapie gibt. Vielmehr ist ein individuell auf jeden Patienten abgestimmtes Behandlungskonzept auf Basis einer gründlichen Diagnostik gefragt", sagte Wehling. http://idw-online.de/pages/de/news232256

Leider sehen wir in unserer Schmerzklinik relativ häufig Patienten nach Bandscheibenoperationen. Man fragt sich natürlich zu Recht, warum wurde eine spezielle Schmerztherapie nicht vorher versucht ??

Daß dieses Problem nicht neu ist, zeigen die einschlägigen Diagnosen: Postnukleotomiesyndrom (Postdiskektomiesyndrom, Postdiskotomiesyndrom), oder auch Postlaminektomiesyndrom. Weil eben nach Bandscheibenoperationen krankhafte Zustände häufiger weiterhin bestehen, oder sogar neue hinzukommen, wurden dafür spezielle Diagnosen eingeführt, dies gilt insbesondere für die damit verbundenen Schmerzzustände.

Medikamentöse Behandlung bei Schmerzen (auch) nach Bandscheibenoperationen:
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerz zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Morphin) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei derartigen Schmerzen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmer zen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Spezielle Schmerztherapie

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) bei einem (weiterhin bestehenden) Schmerz nach Bandscheibenoperationen:
Bei anhaltenden Rückenschmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.

Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wir belsäule angrenzenden Mu skulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Mus kulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben.

Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nervenblockaden:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich Blockaden
(= Betäubungen) der korrespondierenden Nervenwurzeln (= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben der Wir belsäule). Im Lendenbereich auch kontinuierlich mit Katheter (*siehe unten).
Schmerzausstrahlungen in Schul ter/Ar m, wie sie nach Bandscheibenvorfällen bzw. nach Bandscheibenoperationen im Bereich der unteren Halswir belsäule vorkommen können, sprechen zufriedenstellend auf die wiederholte hohe Blockade des Plexus brachialis
(= Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich) nach Winnie an. Technisch risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die kontinuierliche, retrograd hohe Plexus brachialis-Blockade mit Katheter (*siehe unten). Der interskalenäre (= zwischen Mus keln im seitlichen, unteren Halsbereich) Zugang ist mit einem etwas höheren Risiko behaftet.
Im Bereich der Be ine können bei entsprechender radikulärer oder pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung
(= Schmerzen die auf eine tatsächlich oder scheinbar geschädigte Nervenwurzel zurückzuführen sind) der vordere Oberschenkelnerv (N. femoralis) und / oder der Ischiasnerv wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe unten).
Eine Störung im mehr oberen Lendenwirbelsäulenabschnitt kann zu Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren Oberschenkels führen. Mit der sog. 3-in-1-Blockade gelingt die zusätzliche Betäubung der Ner ven obturatorius und cutaneus femoris lateralis, deshalb auch geeignet zur Behandlung der Meralgia paraesthetica
(= Brennschmerzen an der Oberschenkelaußenseite).
Eine Periduralblockade (= rückenmarknahe Betäubung) im Bereich der Halswir belsäule erfordert ein sehr strenge Nutzen-/Risikoanalyse.
Die lumbale Periduralblockade
(= rückenmarknahe Betäubung im Lendenbereich), insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist auch nach Bandscheibenoperationen eine sehr effektive Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Risiko bei der Anzeige "Rückenschmerzen" als vertretbar eingestuft werden.

Statt mit Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
Bei sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rückenschmerzen kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, dass bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist.Eine gute Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder geschädigten Nervs.Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.

Physikalische Therapie:
Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wir belsäule im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Rüc kenschmerzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist bei Zustand nach Bandscheibenoperationen nicht immer sinnvoll. Häufig brechen Patienten diese Behandlung ab, weil sie dadurch eher eine Schmerzverstärkung verspüren. Optimal wirkungsvoll sind Massagen dann, wenn sie unmittelbar im Anschluß an eine Schmerzbehandlung erfolgen, was allerdings eine enge Abstimmung zwischen Schmerztherapeut und Masseur voraussetzt.
Nahezu unverzichtbar ist nach fehlgeschlagenen Bandscheibenoperationen die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen
ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Mu skulatur neben der Wir belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Mu skulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Auch eine Magnetfeldtherapie
oder Hochtontherapie können schmerzlindernd wirken.

Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Mus kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind bei chronischen Schmerzen eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen.

Wenn ein chronischer Schmerz längerfristig besteht, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, ebenso Anleitungen zur Schmerzbewältigung.

Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).

Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle (also auch ältere Patienten) gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden.

Sie wollen mit einem erfahrenen Schmerzarzt sprechen? Kein Problem, einfach jeweils an einem Mittwoch zwischen 13.00 und 14 Uhr oder Donnerstag zwischen 13.00 und 15.00 Uhr die Tel.-Nr. 07931-5450 anwählen (keine extra Gebühren).

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